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Drehen und FrÀsen mit der Drehmaschine
Eine Drehmaschine stellt in der Oldtimer-Restaurationswerkstatt eine ganz wichtige
ErgĂ€nzung dar. Nicht umsonst wird die Drehmaschine auch die âKönigin der Werkzeugmaschinenâ genannt, weil sie so vielfĂ€ltig einsetzbar ist. Hier einige
Anwendungsbeispiele mit entsprechendem Zubehör natĂŒrlich:
- Drehen
- FrÀsen
- Bohren, Bohrwerk
- Teilen
- Gewinde schneiden
- Federn wickeln
- Hobeln, StoĂen
- DrĂŒcken und Pressen
- und ganz, ganz viel mehr mit etwas Improvisationsgabe
Ich hatte das stÀndige Bitten und Betteln satt wenn ich mal ein Teil gedreht oder gefrÀst haben wollte. Also schaute ich mich nach einer
geeigneten Drehbank um. Von den ganzen Fernostimporten aus dem Baumarkt halte ich absolut wenig. Anfangs hatte ich zum
Schnuppern, ob mir das Drehen liegt, erst mal solch eine kleine Drehbank von Westfalia. Nach umfangreichen VerbesserungsmaĂnahmen
konnte man mit dieser Drehbank einigermaĂen arbeiten. Jedoch kam ich sehr schnell wieder davon ab und schaute mich nach einer second hand Profi-Drehmaschine um. Dabei stieĂ ich ĂŒber Zeitschriften auf die Fa. Myford in Beeston, England welche seit ca. 1940 die
7er âSerie baut. Diese Drehbank ist bei Modellbauern und Feinmechanikern wegen ihrer Vielseitigkeit sehr begehrt und beliebt. Es gibt fast
keine Arbeiten, die man darauf nicht machen kann. Einzige Grenze ist die Spitzenhöhe von 3,5 Zoll, also 89 mm und die Spitzenweite von
550 mm. Aber in der Bettkröpfung lassen sich z.B. RÀder oder Scheiben bis zu einem Durchmesser von 250 mm problemlos bearbeiten.
Die Myford Drehmaschine ML 7 und Super 7 wurden ausschlieĂlich von der Firma Höhborn in Remscheid in metrischer AusfĂŒhrung fĂŒr
Deutschland verkauft. Ein Direkt-Import aus England ist nicht möglich. Diese Drehmaschinen sind absolut traditinell und robust in ihrer
Auslegung aus hochwertigen Werkstoffen sowie Teilen gefertigt und zusammengestellt. Selbst heute noch ist das Maschinenbett noch so
wie damals ausgefĂŒhrt, fast alle Teile noch als Ersatzteil zu haben und untereinnander in der 7er Serie austauschbar.Bei einem HĂ€ndler fĂŒr
Dampfmaschinen und Werkzeuge wurde ich dann fĂŒndig. Kaufte mir schlieĂlich eine sehr gute gebrauchte Myford ML 7 Baujahr 1965 fĂŒr
einen fairen Preis. Nach den ersten damit selbst gedrehten Teilen merkte ich erst einmal was fĂŒr eine klasse Drehmaschine ich erworben
hatte. Heute frage ich mich immer wieder wie ich frĂŒher ohne so ein Ding klargekommen bin. Es gibt kaum einen Tag an dem die
Drehmaschine nicht in Gebrauch ist. Mit dem Kauf der Maschine ist es natĂŒrlich allein nicht getan, jetzt wird noch allerhand Zubehör wie
diverse Formen von DrehstÀhlen, Bohrern, FrÀsern, Spannmittel und so weiter. Und Umgehen muà man auch noch mit der Maschine
können, nicht umsonst ist Dreher ein Ausbildungsberuf der etwa 3 Jahre dauert. Also habe ich diverse BĂŒcher studiert, meinen GroĂcousin
Helmut befragt, bin immer wieder an die Maschine und habe probiert, alles learning by doing. Das Ganze ist jetzt mittlerweile ĂŒber 3 Jahre
her und ich traue mir inzwischen fast alles zu, man muss halt immer wieder rangehen. In dieser Zeit habe ich mir eine ganze Menge an
Zubehör selbst gebaut und teilweise gekauft. Das Problem ist, dass fĂŒr diese kleinen MechanikerdrehbĂ€nke das Zubehör aus der Industrie viel zu groĂ ist. Viele Ideen und Anregungen holte ich mir aus der Zeitschrift âMaschinen im Modellbauâ und
englischsprachigen ModellbaubĂŒchern. Einige dieser Zubehörteile wurden in Form von BeitrĂ€gen in der Zeitschrift âMaschinen im Modellbauâ bereits veröffentlicht.
Hier einige sinnvolle Ausstattungsmerkmale fĂŒr eine Drehmaschine:
- Spitzenhöhe etwa 100 mm und Spitzenweite ca. 500 mm fĂŒr die meisten FĂ€lle ausreichend
- Drehzahlbereich 50 bis 2400 U/min ausreichend, z.B. zweistufiges Keilriemengetriebe, Motor mit Drehzahlsteller kostet nur Kraft!
- möglichst niedrige Drehzahl < 50 U/min durch Zahnradvorgelege (Kraft) fĂŒr Gewindeschneiden und Ausdrehen (Bohren)
- groĂer Bohrtisch mit vielen T-Nuten als Spannmöglichkeit
- eine Leitspindel mit Zahnrad- und Wendeherzgetriebe zum Gewindeschneiden
- Arbeitsspindel und Reitstockpinole mit gleichem Werkzeugkegel z.B. MK 2
- Schnellwechselstahlhalter
- drehbarer Oberschlitten zum Kegeldrehen
- groĂer Verfahrweg Bohrtisch fĂŒr FrĂ€sarbeiten
- gekröpftes Bett zur Aufnahme von schmalen Teilen mit groĂen Durchmessern
- Standard Dreibackenfutter 100 mm, Vierbackenfutter mit unabhÀngig verstellbaren Backen, Planscheibe, Bohrfutter 13 mm mit MK 2 Kegel
- diverse Spannmittel wie Nutensteine, Gewindebolzen, Pratzen, Spannwinkel und Spannblöcke

- Gewindespindeln mit klemmbaren Messkalenringen oder digitaler Anbau-Messschieber
- klemmbare FĂŒhrungen an Bett-, Oberschlitten und Bohrtisch
Tipps zum Thema Drehen und FrÀsen mit der Drehmaschine:
- zum Drehen verwende ich nur NaturstĂ€hle (HSS), Hartmetall ist fĂŒr kleine Maschinen ungeeignet
- als FrÀser kommen hauptsÀchlich selbstgebaute SchlagzahnfrÀser zum Einsatz
- als FrÀszubehör ist ein Höhensupport (zusÀtzliche Z-Achse) sehr hilfreich, von Vielzweckmaschinen mit zusÀtzlicher FrÀssÀule halte ich nichts (StabilitÀt)
- in Verbindung mit einem kleinen Schleifer von Proxxon lassen sich einfache Rundschleifarbeiten erledigen, aber abrasiver
Schleifstaub!
- mehr dazu in meinen BeitrÀgen in Maschinen im Modellbau
Literaturhinweise:
Sehr gute Literatur zum Thema Drehen und FrĂ€sen im Hobbybereich gibt es beim Verlag fĂŒr Technik und Handwerk Baden-Baden .
Weiterhin ist das Buch âBesseres Drehen und FrĂ€sen. Werkzeuge und Tippsâ von Frank Arbeiter
als Taschenbuch 160 Seiten (1998) vom Neckar Verlag Villingen, sehr zu empfehlen.
Zum Inhalt:
Seit Drehmaschinen fĂŒr den Modellbaubereich erschwinglich geworden sind, findet man sie in vielen HobbywerkstĂ€tten. Viele
Vorhaben scheitern aber dann trotz der vorhandenen Maschinen am Fehlen geeigneter Werkzeuge. Obwohl der Handel fĂŒr
den industriellen Bereich Zubehör in nahezu unĂŒberschaubarer Vielfalt anbietet, können von diesen Teilen nur wenige auf
Hobbymaschinen genutzt werden. Wenn man als Modellbauer auf der frisch erworbenen Drehmaschine also auch effektiv arbeiten will,
benötigt man ausfĂŒhrliche Informationen zu diesem Themenbereich. An dieser Stelle setzt das vorliegende Fachbuch an.
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